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Crotti im Valchiavenna Tal

Natürliche Keller, die sich unter diesem Geröll weht der "sorel", ein Lurftzug mit konstanter Temperatur um die 8°C, also kühl im Sommer und lau im Winter.

Dadurch ist der Raum ideal für die Reifung des Weines und der Wurstwaren.

Im Valchiavenna Tal hat es praktisch in jeder Gemeinde eine Gegend, in der die Crotti ein ziemlich suggestives Häusergebilde darstellen;eingeklemmt zwischen den Felsen, eines neben dem anderen.

Einige Crotti sind frei Zugänglich und sind zu Restaurants geworden, die eine typische und traditionsreiche Küche anbieten. Die Lokale haben das typische Ambiente beibehalten, das Bisschen Raffinesse fehlt ihnen dennoch nicht.
Was sind Crotti?
Zwischen den Ritzen dieser Felsen, weht der "sorel", ein Luftzug mit konstanter Temperatur um die 8°C, also kühl im Sommer und lau im Winter. Dieser Luftzug ist die Besonderheit des Crotto, da der Raum dadurch ideal ist, sowohl für die Reifung des Weines, da die Temperatur konstant bleibt, als auch für die Reifung der Wurswaren, wie Bresaola (Bündnerflleisch) und der Käse, Berggkäse und Molkereikäse.
Wenige haben bis heute versucht das Phänomen physikalische zu erklären, es muss allerdings auch gesagt werden, dass es noch kein Objekt einer systematischen Untersuchung war.


Die Einwohner von Chiavenna stellten im Grünen, neben den Crotti, Tische und Bänke aus Topfstein auf. Dort kann man sich einige gemütliche Stunden mit Freunden und Verwandten machen und sich typische Produkte schmecken lassen und auf einem Stein über dem Feuer die berühmten Costine braten. In den besseren Crotti wurde auch noch ein kleiner Raum vorgesehen, in dem man sich im Winter beim Kaminfeuer wärmen konnte. Einige dieser Räume verfügen sogar über einen Balkon und sind mit Gemälden ausgestattet, einige sogar an der Aussenwand, wie die von den Patrizier von Pratogiano oder von Cortinaccio in Prosto di Piuro, wo das von der Familie Vertemate-Franchi ins Auge sticht.
Der architektonische und städtebauliche Wert der Crotti darf auf keinen Fall vergessen werden, denn sie fügen sich perfekt in das Naturbild ein und tarnen sich im Grün der Vegetation und dem Braun der Felsen.

Das Crotto ist im Valchiavenna Tal privat (nur einige sind als Restaurants öffentlich zugänglich) und man erbt es wie jedes andere Gut. Um jedoch Erbteilungen zu verhindern, haben die meisten privaten Crotti etliche Eigentümer. Um jedoch auch hier Konflikte zu vermeiden, stehen im Innern der Crotti mehrere kleine Schränke, in denen sich das Weinfass und der “mezzo” (Halbliter-Krug) in Terracotta befindet, ein unerlässliches Gefäss um den Geist des Crotto aufleben zu lassen; die Tische im Freien sind dann aber für alle.

Etymologisch wird der Name Crotto vom Lateinischen "crypta" oder dem Mittelalterlichen "crota" hergeleitet, die vom Griechischen „krypta“ stammen, also Grotte, das dann in Grotto italianisiert wurde. Mit der Grotte hat es die baulichen Charakteristiken mit Mauern aus lebendem Gestein, den kleineren und grösseren Felsbrocken von den Erdrutschen der darüberliegenden Berge. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass der fundamentale Unterschied zu einer normalen Grotte der "sorel" ist.


Um den authentischen Sinn des Lebens im Crotto zu verstehen, kann eine Schrift aus dem Jahre 1781 im Crotto Giovanantoni von San Giovanni in Chiavenna helfen, die besagt: "Si vende vino bono e si tiene scola de umanità" (Es wird guter Wein verkauft und Lebensschule gehalten). Man denke weiter an die Humanitas der Römer, die Freundlichkeit, den Ernst auch in der Fröhlichkeit, den Sinn des Ichs, das innere Gleichgewicht, die Achtung vor den anderen an einem Mensch-Gerechten Ort, wo man, um es mit den Worten zu sagen, die der Dichter Giovanni Bertacchi aus Chiavenna schrieb, "se mangia e se beef in dialet" (man isst und trinkt auf Dialekt).

Bis vor einigen Jahrzenten war es Brauch, dass die Familien im Sommer, am Abend des Festes oder am Vorabend ins Crotto gingen, um dort zu Abend zu essen, in der Frische und im Grünen. Das Crotto war aber eigentlich schon immmer, auch vor der Handwerker- und Industriestadt Chiavenna des19. Jahrhunderts, ein idealer Ort um Geschäfte zwischen einem Glas Wein und einem Scherz abzuschliessen. Auch Arbeiter beendeten ihren Arbeitstag dort, wenn es besonders heiss war. Das Crotto war also seit jeher Treffpunkt. Für die Jugend der letzten Nachkriegszeit, war es ebenfalls Treffpunkt für kleine Feste mit Freunden, da man hier, ausserhalb des Wohnortes, problemlos bis tief in die Nacht singen konnte, ohne Gefahr der Ruhestöhrung. Hier kann man sich aber vor allem noch heute an einem einfachen, rechteckigen Steintisch hinsetzen und essen. Man sagt normalerweise, dass diese kleinere und grössere Gastfreundlichkeit der Anwohner von Chiavenna genau von hier stammt.


Um den Crotti grössee Bedeutung zu schenken, vor allem denen im Pratogiano in Chiavenna, entstand 1956 das Volksfest Sagra dei crotti, das bis 1960 ein nationaler Laufwettbewerb war und seit 1965 als unabhängige Veranstaltung lebt, bei der Degustationen, Musik, Tanz und Kultur angeboten werden. Normalerweise findet die Versanstaltung am zweiten Wochenende im September statt und zieht Menschen aus den verschiedenen Provinzen der Lombardei und vom Schweizer Kanton Graubünden an. Auch wenn der Ansturm an diesen Tagen, in denen sogar private Crotti die Tore öffnen, sehr gross ist und es nicht möglich ist, die unbeschwerte Poesie und die authenthische Atmospähre des Crotto zu geniessen, so hat die Veranstaltung dennoch eine grosse Resonanz und bleibt eine Einladung die Gegend während einer etwas ruhigeren Zeit zu entdecken.
Wo befinden sich die Crotti?
Im Valchiavenna Tal zählt man ungefähr 80 Crotti in den verschiedenen Orten.

Es wird geschrieben, dass fast jeder Ort seine eigenen hat, (mit Ausnahme des Splügentals, wo nur die von Scandolera und San Guglielmo bekannt sind und dann die nördlich von Campodolcino und das einsame Crotto von Mottala, nahe bei Fraciscio).


Die dichteste Konzentration von Crotti befindet sich in der Gemeinde Chiavenna, wo es gut 18 Zonen hat, (nicht nur Pratogiano, aber auch Alpetto, San Giovanni, Uschione ...). Es folgen Villa di Chiavenna mit 14 Crotti, ohne dabei die vereinzelten Crotti auf den Almen der Südseite zu zählen; Piuro mit 11 und Samolaco mit 10.

Was die Höhe betrifft, so sind auch die von Dalò (S. Giacomo) auf 1149 m.ü.M, Bodengo ( Gordona) auf 1027 und am Fòp ( Menarola) auf 934 m.ü.M. zu nennen.

Da die Natur keine Grenzen hat, sind die Crotti, den Zöllen zum Trotz, bis zum Schweizerischen Bergell zu finden, bis Bondo, in Promontogno und in Vicosoprano. Hier befindet sich das öffentlich Crotto des Albigna, auf 1127 m.ü.M. Wieder zurück in Richtung Chiavenna, sind das Ghiggi von Villa, das Quartino bei Santa Croce und das Fuìn bei dem doppelten Wasserfall Acquafraggia und das Belvedere in Prosto öffentlich. Dasselbe gilt in Chiavenna für das Tini ai Roi und das Caurga, sowie das Giovanantoni in San Giovanni und in Pratogiano für die Crotti Al Prato, Torricelli, Refrigerio und Ombra. Im letzteren wurde die Gallerie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Gärung des Bieres künstlich ausgegraben,danach wurde sie für die Reifung des Weines und heute des Käses genutzt.
Einige Crotti in Pratogiano werden für die Konservierung und den Verkauf von Früchten und Gemüse genutzt.
Weiter öffentliche Crotti in der unteren Talhälfte sind das Crotàsc von Mese, 1927 eröffnet, und das Cròt von Gordona.

Normaleweise bilden die Crotti Gruppen, nahe beieinander oder übereinander, natürlich gibt es aber auch isolierte Crotti.
In einigen Fällen handelt es sich um Häuser und Crotti, wie in San Giovanni von Chiavenna, wo etliche antike Häuser oberhalb des Crotto entstehen, mit den charakteristischen Satteldächern, die sich auf dem Hang stützen.

Obwohl dieses Phänomen vor allem im Valchiavenna Tal verbreitet ist, ist das Crotto dennoch keine ausschliessliche Erscheinung im Tal, sondern sie kommen auch in der Gegend von Como, auf dem Comersee und im Mesox Tal vor.




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